Die Hexenprozesse
Ihr Prozess

Ein Prozess: SIE sind angeklagt !



Das Hexengericht, Bildzyklus aus Hermann Löher: Wehmütige Klage, 1677.

ein Name spielt keine Rolle. Die Zeit ist rückwärts gelaufen, wir sind in den 30-er Jahren des 17. Jahrhunderts in Rheinbach im Kurfürstentum Köln. Und nun haben Sie ein großes Problem. Es ist meine Pflicht, Sie mit Hinweisen und Ratschlägen auf einem schweren Weg zu begleiten, auch wenn ich Ihnen nicht helfen kann. Sie haben heute wirklich Pech, wissen Sie schon? Die giftige Nachbarin von nebenan hat Sie nach jahrelangem Streit nun in aller öffentlichkeit der Zauberei beschuldigt, denn ihr Hausdach ist schon wieder undicht. Vielleicht lachen Sie jetzt noch darüber, aber das wird sich bald ändern. Sie sind eigentlich schon eine Leiche auf Urlaub und wissen es nur noch nicht. Denn nun haben Sie zwei Alternativen: entweder Sie schweigen zu den Vorwürfen oder Sie kämpfen dagegen.

  • Wenn Sie schweigen, ist damit Ihre Schuld fast schon bewiesen. Denn nach einem alten Rechtsgrundsatz heißt es: "qui tacet, consentiret", wer schweigt der stimmt zu.
  • Wenn Sie kämpfen gegen den Vorwurf ist damit Ihre Schuld ebenfalls fast schon bewiesen. Denn je heftiger Sie sich gegen den Verdacht wenden, desto verdächtiger ist dies nach dem Prinzip: So jemand scheint es wohl dringend nötig zu haben, das wird wohl einen Grund haben.

Außerdem weiß jeder, wie gefährlich gerade der Zaubervorwurf heutzutage in den Zeiten des Dreißigjährigen Krieges ist. Jeder davon Betroffene wird immer alles abstreiten, das heißt also nichts. Der hochgelehrte Theologe Binsfeld aus Trier hat ferner vor kurzem in seinem weltberühmten "Tractat von Bekanntnuß der Zauberer und Hexen" bewiesen, dass Gott es niemals zulassen wird, dass ein Unschuldiger eines solch grausigen Verbrechens beschuldigt werden kann. Daraus folgt, dass Sie hoch verdächtig sind.

Was werden Sie jetzt tun?

Ich weise das dämliche Geschwätz der närrischen Zimtzicke entschieden zurück, das soll jeder hören!

Dazu sage ich nichts, das ist mir zu doof.

Verfasser: D. Nix
Veröffentlichung: Januar 1999
© 1999